Es gibt eine Frage, die Männer nur stellen, wenn niemand sonst zuhört – leise, fast im Vorbeigehen, meist erst jenseits der 40: „Kann es mir eigentlich schaden, wenn ich mir in meinem Alter weiterhin selbst Freude mache?“ Der entscheidende Teil ist dabei nicht das „schaden“, sondern das „in meinem Alter“.
Die kurze Antwort vorweg: Fast alles, was Sie zu diesem Thema gehört haben, ist falsch. Nicht ein bisschen ungenau – falsch. Und das Ärgerliche daran ist, dass diese alten Irrtümer Männern Angst vor etwas machen, das ihnen überhaupt nicht schadet, während die echten Probleme unbemerkt weiterlaufen. Genau das ordnen wir hier nüchtern ein: erst die sechs Gründe, warum Männer es tun, dann die sechs hartnäckigsten Irrtümer – bis hin zu einer Studie, die das genaue Gegenteil dessen zeigt, was man Männern über 200 Jahre lang erzählt hat.
Woher das Tabu kommt
Im Mittelalter hatte dieses Thema kaum Bedeutung. Man lachte darüber, ein besonderes Tabu gab es nicht. Das änderte sich erst im 18. und 19. Jahrhundert: Die Medizin, damals stark von religiösen Vorstellungen geprägt, erklärte Selbstbefriedigung kurzerhand zur Krankheit. Jahrzehntelang stand sie in medizinischen Lehrbüchern als psychische Störung – etwas, das diagnostiziert und behandelt werden „musste“.
Und die Behandlungen waren alles andere als harmlos. Jungen wurde verboten, mit den Händen unter der Decke zu schlafen, damit man sie überwachen konnte; teils wurden sogar chirurgische Eingriffe vorgeschlagen, um sie daran zu hindern. Das ist kein Gerücht, sondern dokumentierte Medizingeschichte. Die Wissenschaft hat diesen Irrtum längst korrigiert – doch die Angst, die damals gesät wurde, lebt weiter. Sie wurde von Vätern an Söhne weitergegeben, meist ohne ein einziges ausgesprochenes Wort: nur durch Blicke, durch Schweigen, durch Scham. Deshalb steht heute ein 60-Jähriger da und traut sich kaum, eine Frage zu stellen, deren Antwort seit über 50 Jahren bekannt ist.
Die 6 Gründe, warum Männer es wirklich tun
Bevor man aus einer Entdeckung ein Drama macht, hilft es zu verstehen, warum Männer masturbieren. Die meisten glauben, es gäbe nur einen Grund. Tatsächlich sind es mindestens sechs.
1. Stress abbauen
Beim Orgasmus schüttet das Gehirn eine ganze Ladung Botenstoffe aus – Dopamin, Oxytocin –, deren Aufgabe es ist, das Nervensystem herunterzufahren. Diese tiefe Ruhe danach kennt jeder. Viele Männer greifen genau dann darauf zurück, wenn der Tag sie erschöpft hat: nicht aus Verlangen, sondern aus dem Bedürfnis, endlich abzuschalten.
2. Besser einschlafen
Fragt man Männer, wann sie es tun, sagen viele: nachts, wenn sie wach liegen und die Gedanken im Kreis drehen. Dieselben Botenstoffe, dieselbe Entspannung – und der Körper findet zurück in den Schlaf. Manche machen daraus mit der Zeit eine Gewohnheit, ohne die das Einschlafen schwerfällt.
3. Langeweile
Ganz simpel, aber ehrlich: In leeren Stunden, wenn die Zeit sich dehnt und nichts zu tun ist, vergeht sie so angenehmer.
4. Ein Mangel
Der Grund, über den am wenigsten gesprochen wird – und der die meiste Verzweiflung auslöst. Ein alleinstehender Mann hat Verlangen, aber niemanden, also kompensiert er. Das passiert aber genauso in einer Beziehung: wenn das Sexleben eingeschlafen ist oder zwei Menschen schlicht unterschiedliche Rhythmen haben. Das ist völlig normal und hat nichts mit fehlender Liebe zu tun.
5. Training und Kontrolle
Das überrascht die meisten: Es ist die beste Gelegenheit, den eigenen Körper kontrollieren zu lernen – die Beckenbodenmuskeln bewusst anzuspannen und zu lösen, zu spüren, wann die Erregung steigt und wie man sie wieder senkt. Diese Kontrolle nimmt die Angst. Und diese Angst ist bei Männern über 40 oft das eigentliche Problem – nicht die Technik.
6. Den eigenen Körper entdecken
Empfindungen finden, die zu zweit nicht entstehen: andere Zonen, ein anderer Druck, ein anderer Rhythmus. Ein Mann, der seinen eigenen Körper kennt, kann ihn auch erklären – und das ist im Bett mehr wert als jede Technik aus dem Internet.
Die 6 Irrtümer im Faktencheck
Jetzt zu den Behauptungen, die Männern grundlos Angst machen. Nehmen wir sie eine nach der anderen auseinander.
Irrtum 1: Es schadet der Blase oder den Geschlechtsorganen
Nein. Keine einzige Studie hat je einen Zusammenhang zwischen Selbstbefriedigung und Erkrankungen der Harnwege oder der Geschlechtsorgane gefunden. Keine.
Irrtum 2: Es macht unfruchtbar
Eher das Gegenteil. Es gibt eine Rückkopplung zwischen Genitalregion und Gehirn, durch die die für Sexualität und Fortpflanzung zuständigen Hormone eher vermehrt ausgeschüttet werden. Es gibt nur eine rein logische – nicht medizinische – Einschränkung: Wer sehr häufig ejakuliert, hat beim nächsten Mal schlicht weniger zur Verfügung. Wer also ein Kind zeugen möchte und in den letzten 24 Stunden bereits ein, zwei Orgasmen hatte, sollte seine Kräfte für die Tage vor dem Eisprung sparen. Das ist kein Schaden, sondern eine Frage des Timings.
Irrtum 3: Es raubt Testosteron
Das ist der Mythos, der am schwersten auf Männern über 40 lastet – die Vorstellung, jeder Orgasmus sei eine Abhebung von einem Konto, das sich nicht mehr auffüllt. So funktioniert der Körper nicht.
Diese Rohstoffe heißen Zink, Magnesium, Vitamin B6. Fehlen sie, stoppt die Produktion – ganz gleich, wie oft Sie einen Orgasmus haben. Ist Ihr Testosteron im Keller, liegt das an Ihrem Schlaf, an Stress, am Bauchumfang und an fehlenden Nährstoffen – nicht an dem, was Sie sonntagmorgens im Bad tun. Wie Sie an den richtigen Stellschrauben drehen, lesen Sie in unserem Ratgeber Testosteron natürlich steigern.
Irrtum 4: Es macht müde und antriebslos
Nein. Was Sie danach spüren, ist genau die Entspannungsreaktion aus den Punkten Stress und Schlaf – der Körper, der sich beruhigt, nicht der Körper, der sich leert. Wenn Sie trotz acht Stunden im Bett erschöpft aufwachen, suchen Sie die Ursache anderswo: in der Schlafqualität, in den Blutwerten, in der Durchblutung – oder in den Nächten, in denen Sie zweimal aufstehen mussten, ohne je in den Tiefschlaf zu kommen. Genau hier sitzt für viele Männer das eigentliche Problem (dazu gleich mehr).
Irrtum 5: Es macht psychisch krank
Nein – aber dieser Punkt wird oft falsch verstanden. Selbstbefriedigung verursacht kein seelisches Leiden, sie kann aber ein Symptom davon sein. Stellen Sie sich einen Mann unter starkem Druck vor, mit einer Angst, die er nicht in den Griff bekommt. Er merkt, dass ihn dieser Moment beruhigt – also wiederholt er ihn, bis er kein Vergnügen mehr ist, sondern ein Medikament. Dann glaubt er, das Problem sei, dass er es zu oft tut. Falsch: Das Problem liegt an dem, was ihn ursprünglich dorthin getrieben hat. Er kuriert das Fieber und wundert sich, dass die Infektion bleibt. Wer merkt, dass ihm etwas entgleitet, sollte sich nicht fragen „Wie höre ich auf?“, sondern „Wovor fliehe ich?“ – und sich bei Bedarf Hilfe holen.
Irrtum 6: Es erhöht das Krebsrisiko
Hier ist die Antwort nicht einfach nur „nein“ – sie ist das Gegenteil. Mehrere groß angelegte Studien zeigen: Männer mit regelmäßiger sexueller Aktivität – allein oder zu zweit – haben ein geringeres Risiko für Prostatakrebs. Nicht höher, geringer. Über 200 Jahre hat man Männern eingeredet, dies zerstöre ihre Gesundheit – und heute zeigt die Wissenschaft, dass es genau umgekehrt ist.
Das eigentliche Problem sitzt oft eine Etage tiefer
Viele Männer, die sich um solche Mythen sorgen, haben in Wahrheit ein ganz anderes Thema: Sie müssen nachts zwei- oder dreimal raus, die Blase entleert sich nie ganz, morgens liegt ein Nebel über dem Kopf, und im entscheidenden Moment spielt die Durchblutung nicht mehr zuverlässig mit. Wenn Sie sich hier wiedererkennen, ist das Thema dieses Artikels nicht Ihr Problem – Ihr Problem sitzt eine Etage tiefer, in der Prostata und in den Gefäßen, die sie versorgen.
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Die einzige Frage, die wirklich zählt
Fassen wir zusammen: Es schadet Ihren Organen nicht, es macht Sie nicht unfruchtbar, es erschöpft Ihr Testosteron nicht, es macht Sie nicht antriebslos, es macht Sie nicht psychisch krank und es erhöht Ihr Krebsrisiko nicht – eher im Gegenteil. Es bleibt am Ende nur eine ehrliche Frage: Tun Sie es, weil es sich gut anfühlt, oder um vor etwas anderem zu fliehen? Die erste Antwort ist völlig in Ordnung. Der zweiten sollten Sie Aufmerksamkeit schenken.
Und wenn Sie sich aus diesem Artikel nur eine Sache merken, dann diese: Holen Sie sich Ihre Informationen aus überprüften Quellen – nicht vom Nachbarn, nicht aus einem Forum und ganz sicher nicht aus einem Lehrbuch von 1700.
Häufige Fragen
Verringert Masturbation den Testosteronspiegel?
Nein. Die Vorstellung, jeder Orgasmus verbrauche Testosteron, ist ein Mythos. Testosteron wird kontinuierlich produziert, solange der Körper die richtigen Rohstoffe hat (etwa Zink und Vitamin B6), genug Schlaf da ist und der Stress im Rahmen bleibt.
Hilft regelmäßige Ejakulation wirklich gegen Prostatakrebs?
Studien deuten darauf hin, dass regelmäßige sexuelle Aktivität – allein oder mit Partner – das Risiko, im Alter an Prostatakrebs zu erkranken, eher senkt. Das alte Gerücht, es mache krank, gilt als wissenschaftlich widerlegt.
Wann wird Selbstbefriedigung zum Problem?
Wenn sie vom Genuss zur Flucht vor Stress, Angst oder Sorgen wird – also zum „Medikament“. Dann lohnt es sich, der wahren Ursache auf den Grund zu gehen, statt am Verhalten selbst anzusetzen.
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich an einen Arzt oder Apotheker.
Quellen und weiterführende Informationen
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